Ein köstliches Familiengeheimnis
Von den Leiden eines Menschenfressers: Neue kurzweilige Theatrium-Inszenierung mit großartigen Schauspielern.
Foto: Hannes FuhrmannEltern sind peinlich, finden die meisten Kinder. Doch der Vater von Sidda und Jonas ist nicht einfach nur anders - er trägt ein düsteres Geheimnis mit sich herum, das seine Familie bewahren soll. Denn im Theaterstück "Papas Geheimnis" nach dem gleichnamigen Roman des isländischen Kinderbuchautoren Thórarinn Leifsson is(s)t der Familienvater nicht ganz normal, er ist ein Menschenfresser. Tagsüber schnarcht er auf dem Sofa (arbeiten zu gehen, wäre für seine Mitmenschen schließlich viel zu gefährlich), nachts streift er auf der Suche nach neuen Opfern durch die Stadt. Wie lang kann das gut gehen? Was ist, wenn Papa eines Tages seine eigene Familie hungrig überfällt? Wer muss hier eigentlich vor wem beschützt werden?
Leipziger VolkzeitungUnd vor allem: Wie kann man ein solch ungewöhnliches Buch auf die Bühne bringen? Steffen Lehmann vom Leiv-Kinderbuchverlag Leipzig und Beate Roch, Geschäftsführerin des Theatriums in Grünau, wollten die 2007 erschienene Geschichte als szenische Lesung auf die Bühne bringen. Ein Regisseur war schnell gefunden: Detlef Vitzthum sagte bereits zu, bevor er das Buch überhaupt kannte. Sechs Wochen später feierte das Stück gestern im Theatrium Premiere.
Die Macher des Jugendprojekts wollen schon seit Jahren in eine andere Räumlichkeit. Doch an diesem nebligen, trübgrauen Morgen ist davon nichts zu spüren: Die Besucherreihen sind gut gefüllt, eine Schulklasse ist auch da. Der schwarz gestrichene Raum ist erhellt von Kinderlachen und zappelnden Beinen in rosa Röckchen, die von viel zu hohen Stühlen baumeln. Kurz nach 10 Uhr beginnt das Stück: Jonas erzählt einem Psychiater rückblickend vom Familiengeheimnis, der Psychiater nickt, Rollenwechsel, Sidda darf erzählen.
Nur vier Schauspieler agieren auf der Bühne. Larsen Sechert, Falko Köpp, Viola Kowski und Thomas Deubel schlüpfen in jeweils zwei Rollen, ständig ändert sich die Bühnenkonstellation. Alle tragen schwarze Pullis, rote Accessoires erleichtern die Zuordnung zu den Charakteren. Das Stück ist trotz der ernsten und vielfältig interpretierbaren Thematik an vielen Stellen witzig, was vor allem den großartigen Schauspielern zu verdanken ist. Sie sind immer in Bewegung, schreien und lachen und singen, so dass es eine Freude ist, sie zu beobachten. Eine kurzweilige Inszenierung, die bis zum überraschenden Ende fesselt und nachdenklich stimmt.
Caroline Baetge
Jonas (Larsen Sechert) und Sidda (Viola Kowski) lassen sich von ihrem Papa (Falko Köpp, Mitte) trösten. Foto: Hannes Fuhrmann
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