Sozialistische Tageszeitung : Eine schreckliche Familie
Von Irmtraud Gutschke
Wie viele Kinderbücher mag es geben, in denen scheinbar verpatzte Ferien doch noch besonders schön werden, in denen Kinder in die Zukunft oder in ferne Länder reisen, verzaubert werden oder selber zaubern lernen, sich in der Schule zurechtfinden müssen oder in Märchenwelten ... Das Reservoir an Motiven ist riesig und doch auch begrenzt, so scheint es. Aber solch eine Geschichte wie diese gab es wohl noch nie.
Was der isländische Autor Thórarinn Leifsson erzählt, bricht alle Tabus. »In den meisten Familien gibt es ein Geheimnis« – so beginnt er und bewegt sich noch im Gewöhnlichen, wenn er einen kleinen Jungen erzählen lässt, wie sein arbeitsloser Papa den ganzen Tag in blaugestreiften Unterhosen seinen nackten Schmerbauch durch den Garten trägt, ein Boulevardblatt liest oder auf dem Sofa schnarcht, während die Mutter den Lebensunterhalt der Familie verdient, indem sie Leuten am Telefon alles Mögliche verkauft. Es ist die normale Tristesse. Der Junge und seine Schwester Stella scheinen wenigstens noch ihren Grips beisammen zu haben, auch wenn die Schule mit genervten Lehrern und gewalttätigen Schülern nicht viel dazu beiträgt …
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